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Medizinische Notwendigkeit oder Bequemlichkeit ???

 

Ein mittlerweile stark diskutiertes Thema.

 

Wann macht die Kastration Sinn und wann nicht? Erlaubt es das Tierschutzgesetz?

Verändert sich der kastrierte Hund? Werden durch eine Kastration alle ungewünschten Verhaltensweisen weggeschnitten?

 

Die Kastration ist laut Tierschutzgesetz verboten, es sei denn es liegt ein

medizinischer Grund vor.

Bei der Kastration handelt es sich um eine Operation, die bei Ihrem Hund

Schmerzen verursacht. Nach dem deutschen Tierschutzgesetz dürfen einem

Tier ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen zugefügt werden.

Die Amputation von Körperteilen bei Wirbeltieren ohne medizinischen Grund ist verboten!!!!!!!!!

Kastration - eine Op die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Und wenn es doch nicht hilft.... naja dann muß man wohl doch zur Hundeschule.

Aber es kann ja mal versucht werden...Die Kastration ersetzt nicht die Erziehung des Hundes und

ist auch kein Allheilmittel. Zum Beispiel ändern sich aktive und bewegungsfreudige Hunde nur, wenn

sie nach der Op - und damit mit mehr Appetit -fett gefüttert werden und in Folge dessen träger werden. 

Ebenso können Rangordnungsprobleme zwischen Zwei- und Vierbeinern nicht durch eine Kastration gelöst werden.

 

Ganz allgemein gilt:

Die Kastration verspricht nur dann Erfolg, wenn Verhaltensweisen beeinflusst werden sollen, die

durch Sexualhormone gesteuert sind.

 

Die Kastration hat positive aber auch negative Seiten über die man sich im klaren sein sollte!!!!

 

Die Hündin :

 

Ungefähr alle 6 Monate wird die Hündin fortpflanzungsbereit, sprich läufig oder auch heiß.

Für manch einen Besitzer Grund genug etwas dagegen tun zu lassen.

Die lästigen Blutungen, die nervigen Spaziergänge, bei denen die Hündin eventl. von Rüden verfolgt

wird und für 2 Wochen nur an der Leine laufen darf, und natürlich nicht zu vergessen die

Einschränkungen für die Besitzer, denn man kann den Hund in dieser Zeit nicht überall hin

mitnehmen. Und das Ganze 2x pro Jahr. Das ist natürlich lästig.

Also, ein Anruf beim Tierarzt und einen Termin gemacht.

Wenn Hund Glück hat, wird vor einem Termin zur Operation ein Termin zur

Kastrationsberatung gemacht, um über die verschiedenen Risiken und über die

Notwendigkeit zu reden.

Bei der Hündin dient die Kastration bis nach der 1. Läufigkeit der Vorbeugung von Gesäugetumoren.

Bei Kastrationen vor der ersten Läufigkeit sinkt das Risiko gegen null.

Bei späteren Operationen nimmt dieser vorbeugende Effekt ab, bzw. besteht nicht mehr.

In der Regel - aber nicht bei jedem Hund - treten Mammatumore im Alter ab 9 Jahren auf.

Diese können bei Früherkennung operativ entfernt werden.

Auch ein Grund ist die Scheinträchtigkeit mit starken hormonellen Veränderungen.

Die Scheinträchtigkeit ist für die Hündin normal. Sie liegt in der Natur des Hundes.

In einem Wolfsrudel wird nur die Alphahündin gedeckt. Um die optimale Versorgung der

Jungen zu sichern, werden die anderen Hündinnen Scheinträchtig, bilden Milch und können die

Welpen mitversorgen.

Das ist natürlich bei einem Familienhund nicht gegeben und deshalb kann es beiimmer wiederkehrenden Scheinträchtigkeiten zu starken hormonellen Veränderungen kommen. Das wäre ein Grund zur Kastration.

 

Die Pyometra ( eitrige Gebärmutterentzündung ) ist, wenn medikamentös nicht mehr behandelbar,

nur noch operativ zu behandeln.

Je nach Alter und Allgemeinbefinden der Hündin wird therapiert.

Ist sie fit und besteht eine offenen Form der Pyometra kann eine medikamentöse Form versucht

werden. Bei schlechtem Zustand müssen nach Kreislaufstabilisierung Gebärmutter und

Eierstöcke entfernt werden.

Natürlich kommt es bei sowieso kastrierten Hündinnen nicht zu diesen Problematiken und

Krankheiten. Man sollte aber bedenken, dass es nicht jede Hündin betrifft und die Kastration von

der Natur nicht vorgesehen ist.

 

Der Rüde :

 

Die Kastration ist kein Allheilmittel. Leider wird es oft so gesehen.

Unerwünschte Verhaltensweisen wie:

Aggressivität gegenüber Artgenossen / Menschen, Ängstlichkeit, Ungehorsam,

Hyperaktivität, Sexualverhalten, Urinmarkieren und Aufsprungversuche.

All das sind ‘Gründe’ der Kastration, fragt man den ein oder anderen Hundebesitzer oder leider

auch Hundetrainer und Tierarzt. Es scheint mir, als wäre es ein Trend Hunde kastrieren zu lassen. 

Die Frage Ja oder Nein stellt sich meist selten.

 

Die Frage wann? stellt sich da schon eher. Der Hund ist 8 Monate und damit im

aktiven Alter. Also Zeit zum kastrieren...?                                   

 

Auch hier ein großes Thema : die Bequemlichkeit der Besitzer.

Hundeschule?? Regelmäßig und auch noch selber zuhause jeden Tag trainieren ???

Nicht wenn es auch mit ein paar Schnitten durch den Tierarzt geht.

Auch beim Rüden gibt es medizinische Gründe, wo eine Kastration als

Therapieform in Frage kommt : Kryptorchismus : Nicht vollständig abgestiegene Hoden

können zur tumorösen Entartung neigen.

Prostataerkrankung : meistens eine gutartige Vergrößerung der Prostata.

Bei fortschreitender Vergrößerung kann der Kot- und Harnabsatz erschwert

und schmerzhaft sein. Of gibt es auch blutigen Absatz von Urin.

Nach einer Kastration verkleinert sich die Prostata weil der Einfluss der männlichen

Sexualhormone wegfällt.

Hodentumore: Häufig bei älteren Rüden auftretend. Obwohl nicht alle Tumore

bösartig sind, empfiehlt es sich zur Sicherheit beide Hoden zu entfernen.

Perianaldrüsentumore : Am After vorkommende Drüsen die tumorös entarten

können. 80% der Tumore sind gutartig und 20 % bösartig.

Bei operativer Entfernung von gutartigen Tumoren und gleichzeitiger Kastration

besteht eine gute Prognose.

 

Die Kastration kann bei Hündinnen sowie Rüden statt positiven auch viele negative

Verhaltensweisen mitbringen. hier einige Punkte :

Ein kastrierter Rüde, welcher vor der Kastration jedem anhand von Gerüchen

mitteilen konnte wie stark er ist hat nach einem solchen Eingriff das Problem,

dass er nicht mehr nach Rüde riecht und deshalb nicht mehr als Rüde identifizierbar ist.

Intakte Rüden sehen ihn als Hündin oder schwachen Rüden. Sie versuchen bei ihm aufzureiten,

was sich natürlich kein starker Rüde gefallen lassen wird. Es kann zu

Beißereien kommen.                                      

Vergessen darf man auch nicht die inkontinenten Hunde, die es leider auch gerade bei großen

Rassen ( häufig : Boxer, Dobermann, Riesenschnauzer, Rottweiler, Bobtail )durch Kastrationen

geben kann.  

 

Die Kastration kann bei Hündinnen Fellveränderungen - das sog. Welpenfell -

auslösen. ( häufig : Cocker Spaniel, Irish Setter, Langhaardackel )

Dieses wird von Besitzern als sehr unschön und schwer zu pflegen beschrieben.

In seltenen Fällen werden Hündinnen nach der Kastration als aggressiver und

ängstlicher beschrieben.                                           

 

Ich hoffe, dass dieser kurze Überblick zumindest dazu führt, dass Hundebesitzer sich vor einer

solchen Entscheidung ordentlich informieren und nicht denken dadurch werden alle Probleme

entfernt !!! Sollte beim Menschen eine solche Entscheidung anstehen werden auch alle

Möglichkeiten überlegt und nicht sofort zum Skalpell gegriffen !!! Würde man versuchen beim

Menschen die Verhaltensweisen durch Kastration zu beeinflussen wären die Krankenhäuser

deutlich stärker besucht !!